Leimener Integrationsgeschichten (9) – Mirwais Alizaie

von Johanna Hettler

Die afghanische Landesflagge

Mirwais Alizaie ist im Mai 2015 mit 21 Jahren in Passau angekommen. Von dort ist er nach München, nach Meßstetten, nach Sigmaringen und anschließend nach Walldorf verlegt worden. Dort hat er 2 Jahre gelebt, bevor er anschließend nach Ketsch und schließlich nach Leimen gekommen ist.

Er hat selbstständig deutsch gelernt, sodass er die B1 Prüfung ablegen und danach einen B2 Intensivkurs mit Abschluss B2 besuchen konnte. Mirwais Alizaie hat verschiedene Praktika absolviert um sich zu orientieren, in einer Zeitarbeitsfirma gearbeitet, eine Ausbildung zum Hotelfachmann begonnen und abgebrochen und schließlich sein wahres Interesse gefunden: Er möchte gerne in einem Altenheim arbeiten. Daher hat er sich für eine Ausbildung zum Altenpflegehelfer beworben, diese musste leider auf Grund der aktuellen Situation abgesagt werden. Nun hat er eine Weiterbildung zum Pflegeassistenten erfolgreich abgeschlossen und arbeitet jetzt in einem Altenheim in Leimen.

Yahya Kanagie

Mirwais Alizaie

Was hat dir am meisten beim Ankommen in Deutschland geholfen?
Mirwais Alizaie: „Als ich in Walldorf gelebt habe und wenig deutsch gesprochen habe, habe ich einen Aushang von der Uni Heidelberg gesehen, ich habe mir diesen mit einer App übersetzten lassen und bin dann zu einer Veranstaltung in die Uni gefahren. Ich habe wenig verstanden. Ich wurde dort gefragt, ob ich nicht Theater spielen möchte. Ich habe daraufhin im Jugendtheater im Zwinger in Heidelberg mitgespielt. Dadurch hat sich mein Deutsch verbessert. Eine Frau dort hat mir viel geholfen. Sie hat mir gezeigt, wie man in Deutschland eine Bewerbung verfasst und mich bei der Arbeitssuche unterstützt.“

Was waren schwierige Punkte in Deutschland für dich?
Mirwais Alizaie: „Am Anfang war alles sehr schwer. Ich habe nichts verstanden. Die deutsche Sprache zu lernen ist wirklich sehr schwer. Ich wusste nicht, wie ich Arbeit finde, wohin muss ich gehen? Als ich im Camp in Walldorf gelebt habe, wurde nur Menschen aus bestimmten Herkunftsländern geholfen, Menschen aus Syrien, dem Iran oder aus Eritrea durften zum Bespiel sofort an einem Sprachkurs teilnehmen oder haben Ausflüge gemacht. Menschen aus Afghanistan wurde nicht geholfen, ich musste alles alleine machen, das verstehe ich wirklich nicht. Leider sind viele Menschen aus Afghanistan, die hier in Deutschland leben sehr misstrauisch untereinander und helfen sich wenig. Das ist natürlich auch nicht gut.“

Welche Besonderheiten der Deutschen waren am Ungewöhnlichsten für dich?
Mirwais Alizaie: „Ich hatte ganz andere Vorstellelungen von Deutschland. Ich dachte, wenn ich keine Schule in Deutschland besucht habe, werde ich auch nie arbeiten können. In Walldorf gab es viele Firmen, ich habe immer gedacht, dass dort nur Ingenieure arbeiten und ich keine Arbeit finde. Jetzt weiß ich es besser, man kann überall anfragen, eine Arbeit finden und wen man möchte eine Ausbildung oder Weiterbildung machen. Das ist wirklich toll.“

Welche Speisen in Deutschland schmecken dir überhaupt nicht?
Mirwais Alizaie: „Kartoffeln und Nudeln, so wie sie in Deutschland zubereitet werden.“

Was magst du an der deutschen Küche?
Mirwais Alizaie: „In Deutschland habe ich die pakistanische und indische Küche kennengelernt. Ich hatte einen Mitbewohner, der mir viele Gerichte beigebracht hat, das mag ich sehr.“

Welche Angewohnheit hast du von den Deutschen inzwischen übernommen?
Mirwais Alizaie: „Ich mag es sehr alleine zu wohnen und in Deutschland ist es auch ok, wenn man alleine wohnt. Ich kann immer alleine sein, wenn ich möchte. Wenn Leute sich hier nicht kennen, müssen sich auch nicht miteinander befreundet sein, oder zu irgendwelchen Festen kommen und das ist gut so.“

Mein Rezept aus meiner Heimatstadt Herat:
Kichiri:


  • 1 Tasse Linsen
  • 2 Tassen Reis
  • 1 Kartoffel
  • Etwas Öl
  • 1 große Zwiebel
  • 1 Knoblauch, ganz
  • 2 Zehen Knoblauch
  • Etwas Salz
  • 1 Teelöffel klein gehackter Ingwer
  • 1 große Tomate
  • Minze zum Würzen
  • Pfeffer
  • Kardamompulver
  • Sprotten oder Sardinen (ca. 200g pro Person)
  • Nach Belieben: Tomaten, Oliven, Fladenbrot
  1. Linsen in 3-4 Tassen warmen Wasser ca. 1 Stunde ziehen lassen, bis sie weich sind
  2. Zwiebeln in Öl in einem großen Topf anbraten und 2 Tassen Wasser hinzugeben.
  3. Salz, Ingwer, Minze, Pfeffer, Pfeffer, Kardamom zugeben.
  4. Tomaten klein schneiden und dazu geben, umrühren bis es weich ist und gut riecht. Dann den klein gehackten Knoblauch hinzugeben.
  5. Linsen hinzugeben und unter ständigem Rühren ca. 10 Minuten köcheln lassen
  6. 1 Tasse Wasser und den Reis in den Topf geben- weiterhin rühren
  7. Klein geschnittene Kartoffel dazu geben.
  8. Den ganzen Knoblauch in den die Mitte des Gerichts legen.
  9. Ein Tuch auf den Topf legen, den Deckel auf das Tuch setzten, den Herd runter drehen und so das Essen ca. 15 Minuten warm halten, bis alles weich ist.
  10. Fische waschen und ausnehmen, anschließend im Ganzen mit Öl in einer Pfanne anbraten. Fische mit Salz und Pfeffer würzen
  11. Das Essen ist fertig, zum Essen gerne schwarze Oliven, Tomaten und Fladenbrot reichen.